Wir sprechen noch immer Deutsch!

Geschichte

von Bernhard Moestl 153 mal angesehen

Seit 870 Jahren lebt in Rumänien die Minderheit der Siebenbürger Sachsen. Aber wer sind diese Menschen eigentlich und was hat sie hier her geführt?

Begonnen hatte alles mit einer Hungersnot um Trier und Köln, wo sich im 12. Jahrhundert viele Menschen zur Abwanderung gezwungen sahen. Da kam die Einladung des ungarischen Königs Géza II in die östlichen Provinzen des damaligen Ungarn gerade recht. Neben Land erhielten die neuen Bewohner, die von den Ungarn ungeachtet ihrer tatsächlichen Herkunft als „Saxones“ bezeichnet wurden auch Steuer- und Wirtschaftsvorteile. Der florierende Handel führte zur Bildung urbaner Zentren wie Hermannstadt oder Kronstadt und auch das Handwerk florierte. Im 15. Jahrhundert waren die Städte so finanzkräftig, dass sie dem ungarischen König Geld gegen die Verpfändung ganzer Orte liehen.

Mächtige Feinde

Doch der Reichtum zog auch Feinde an. Nachdem die Türken 1350 Anatolien erobert hatten, richteten sie ihr Augenmerk auf das Königreich Ungarn und seine wohlhabende Ostprovinz. Dem mittelalterlichen Siebenbürgen wurden sein Reichtum und seine Nähe zum Osmanischen Reich plötzlich zum Fluch. Die einfallenden Türken mordeten, raubten und verwüsteten ganze Landstriche. Ende des 17. Jahrhunderts gelangte Siebenbürgen schließlich unter habsburgische Herrschaft. Im Zuge der Märzrevolution von 1848 versuchten die Ungarn die Autonomie der Sachsen wieder abzuschaffen, wurden jedoch von Österreich daran gehindert. Doch als 1867 Siebenbürgen an Ungarn fiel traf der Staat zahlreiche Maßnahmen zur Magyarisierung der verschiedenen Minderheiten. Durch starken sozialen und kulturellen Zusammenhalt gelang es den Sachsen damals noch, ihre Gemeinschaft nach außen hin abzugrenzen. Erst von den Nationalsozialisten wurden sie als Volksdeutsche in deren Politik eingebunden.

Bis heute haben sie sich die Sprache erhalten

Und sollten später dafür bezahlen: Als 1948 in Rumänien die privaten Produktionsmittel verstaatlicht wurden, war die deutsche Minderheit davon besonders hart betroffen. Wer konnte, verließ das Land. Heute leben in Rumänien noch etwa 15.000 Sachsen. Und sie haben nicht nur ihre Traditionen und ihre Kultur durch 870 bewegte Jahre gerettet: In Siebenbürgen spricht man bis heute Deutsch.