Der Auszug aus Hameln

Geschichte

von Hans Butmaloiu 176 mal angesehen

Eine der bekanntesten deutschen Volkssagen erzählt von einem Mann, den die Bewohner des an der Weser gelegenen Hameln beauftragen sie von der Pest befreien, die damals vor allem von Mäusen und Ratten übertragen wird.

Mit einer Pfeife (in anderen Versionen ist auch von einem Dudelsack die Rede) lockt er die Nagetiere an und führt sie in den Fluss, wo sie schließlich ertrinken. Als ihm aber nach getaner Arbeit die Bezahlung verweigert wird, nimmt der Fremde grausame Rache. In der Morgendämmerung des 26. Juni 1284, die Erwachsenen feiern gerade in der Kirche die Messe, kommt der Rattenfänger zurück und bringt mit dem Klang seiner Flöte 130 Kinder dazu  ihm zu folgen. Dann verlässt er mit ihnen die Stadt gen Osten und verschwindet mitsamt der Kinder für immer in einer Grotte. Auf rumänisch ist diese Legende nur in der Version der Gebrüder Grimm  unter dem Namen „Die zauberhafte Flöte“ bekannt. Die Philologen und Volkskundler Jacob und Wilhelm Grimm haben ihre Geschichten wiederum aber nicht erfunden sondern vielmehr bereits bestehende Legenden gesammelt und niedergeschrieben. Und obwohl die Sage in fast 30 Sprachen übersetzt wurde, bleibt ihr Ursprung im Dunkeln. Die Grimm-Version endet gut, die Kinder tauchen in Siebenbürgen wieder auf und lassen sich dort nieder. Aber das ist nicht in allen Fassungen so.  

Exodus Hamelensis

Im Jahre 1655 veröffentlichte Erich Samuel in Hannover eine Abhandlung über den „Exodus Hamelensis“ mit den ihm bekannten Versionen der Legende. Hier erregt besonders die Fassung von Athanasius Kircher in seinem 1650 erschienenen Werk „Musurgia Universalis“ Aufmerksamkeit da hier zum ersten Mal „Siebenbürgen“ als Ziel genannt wird. Kircher schloss das Kapitel über die „Wunderbare Geschichte eines Magiers, der die Kinder faszinierte“ in seiner „Abhandlung über Musik, Musikinstrumente und die Wirkung von Musik“ folgenden Sätzen: „Wie die Chronik Siebenbürgens bescheinigt, erschienen zu dieser Zeit hier Kinder, die eine unbekannte Sprache sprachen und haben sich hier angesiedelt. Ihre Sprache, und so haben sie es bis heute gehalten, ist das sächsische Deutsch“.

Auch in der Zahl von 130 Kindern herrscht Übereinstimmung

Woher die Siebenbürger Kirchenchronik diese Informationen hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen, aber auch die meisten Verfasser nachfolgender Versionen, hielten sie für korrekt. Auch in der Zahl von 130 Kindern und dem Tag, an dem dieser Exodus stattgefunden haben soll herrscht Übereinstimmung: „Am Tag der Heiligen Johannes und Paul im Jahre des Herrn 1284“. Und so steht es auch nachzulesen in der ältesten schriftlichen Quelle, einer Handschrift aus Lüneburg, die ein Dominikanerpater irgendwann zwischen 1430 und 1450 verfasst hat.