Secui: Die unbekannte Minderheit

Geschichte

von Bernhard Moestl 172 mal angesehen

Die Übersiedlung kam unerwartet. Als 1920 im Friedensvertrag von Trianon das Szeklerland von Ungarn an Rumänien abgetreten wurde, lebte von einem Tag auf den anderen eine ganze Volksgruppe in einem anderen Staat. Die Szekler hatten plötzlich Mitbürger, mit denen sie nicht viel verband, ausser der Tatsache, dass die genaue Herkunft beider Volksgruppen bis heute nicht gänzlich geklärt ist.

Awaren, Hunnen, Wolgabulgaren

So wurden die Szekler als Nachfolger von Awaren, Hunnen, Gepiden und gar der Rumänen gehandelt, aber nichts davon erwies sich am Ende als haltbar. Einige Forscher hatten die türkischstämmige Völker oder gar die Wolgabulgaren als Vorfahren der Szekler angesehen, die in der Gefolgschaft der Magyaren sprachlich assimiliert wurden, aber auch dafür gibt es keine ausreichenden Beweise. 

Auch ihre Bindung an das Königreich Ungarn war am Anfang eher lose. Zwar waren bereits seit dem späten Mittelalter in den Aufgeboten der ungarischen Könige und siebenbürgischen Fürsten Szeklerkontingente vertreten, doch auch in den Armeen der walachischen und moldauischen Fürsten waren häufig Szekler dabei und sogar in der Armee von Mihai Viteazul (Michael dem Tapferen) kämpften Szekler gegen den ungarischen Adligen Andreas Báthory.

Siebenbürger

Über fünf Jahrhunderte hatten die Szekler eine mit den Siebenbürger Sachsen vergleichbare Autonomie und besaßen bis ins späte 18. Jahrhundert sogar ein eigenes Rechtssystem. Dafür fungierten sie in den ihnen zugewiesenen Teilen des Königreichs Ungarn als „Grenzwächter“. Die damit verbundenen garantierten Privilegien führten dazu, dass die Szekler viel Wert auf ihre eigene Identität legten. So waren sie neben dem magyarischen Adel und den Siebenbürger Sachsen eine der drei Nationen, die im Jahr 1483 „Siebenbürgen“ konstituierten. Doch die Annäherung an Ungarn war nicht mehr aufzuhalten. Waren die ersten Szekler noch teilweise turksprachig gewesen, setzte sich nun immer mehr die ungarische Sprache durch. Und als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Magyaren „national erwachten“, begannen auch die in Rumänien lebenden Szekler immer mehr, sich als Teil des Magyarentums zu sehen. Eine Ansicht, die sich übrigens bis heute nicht geändert hat.