Schei Viertel: Kommen Sie mit Zeit

Geschichte

von Marianne Mohatschek 223 mal angesehen

Wer die Altstadt durch die Poarta Schei verlässt gelangt nach wenigen Schritten in den malerischen Stadtteil Schei.

Hier, zwischen der alten Stadtmauer und  dem Salamonfelsen (benannt nach Salamon, 1063 bis 1074 König von Ungarn) gehen die Uhren noch ein wenig langsamer als andererorts in Kronstadt. Es ist, als hätte man sein Ziel am Ende des Tales erreicht und könne nun endlich langsamer gehen. Kleine Häuser in den enger werdenden, geschwungenen Gassen lehnen sich sanft an die ansteigenden Hügel. Es wirkt romantisch. Auch wenn es das bei weitem nicht immer war. 

So kamen Rumänen, Bulgaren, Moldauer und Griechen nach Kronstadt

Aus Angst vor Einfällen der Türken begannen die Siebenbürger Sachsen Ende des 14. Jahrhunderts ihre Städte zu befestigen und Kirchen zu bauen. Doch es gab nicht genug Arbeitskräfte. So kamen - auch für den Wiederaufbau der innerstädtischen Marienkirche (die heutige Schwarze Kirche) - zahlreiche nichtsächsische Menschen aus benachbarten Provinzen nach Kronstadt: Rumänen, Bulgaren, Moldauer, Griechen siedelten sich während der oft jahrzehntelangen Arbeiten außerhalb der Stadtmauern an und blieben.

Den Bewohnern von Schei – man nannte sie Belger - war es untersagt, innerhalb der Stadtmauern Häuser und Grundstücke zu besitzen. Nur zu bestimmten, festgelegten Zeiten durften sie gegen Bezahlung einer Gebühr die Stadt betreten und erhielten manchmal auch für kurze Zeit das Privileg, Waren zu verkaufen. Einlass in die Stadt fanden sie ausschließlich durch das Katharinen-Tor, alle anderen Tore durften sie nicht benutzen. Dies sollte so bleiben bis ins 17. Jahrhundert. Erst danach vermischten sich die Menschen innerhalb und außerhalb der Stadtmauern und die Stadt wuchs immer mehr zusammen.

Es wirkt romantisch. Auch wenn es das bei weitem nicht immer war.

Wenn auch heute in den Reiseführern oft nicht viel über Schei geschrieben wird, so gibt es doch viel zu sehen. Die 1292 errichtete und 1495 aus Stein neu errichtete Kirche des Nikolaus von Myra. Die kleine Schule daneben, die zur selben Zeit entstand und in der zum ersten Mal in rumänischer Sprache unterrichtet wurde (das Klassenzimmer kann man bis heute besichtigen). Die acht erneuerten Wegzeichen des Mittelalters, die einst in der ganzen Stadt zu sehen waren. Und so vieles mehr. Es ist schön hier in Schei. Kommen Sie mit Zeit.