Die Wahrheit über Dracula

Geschichte

von Cătălin Bădulescu 204 mal angesehen

Wer ist eigentlich der berühmte Vampir Dracula? Ist es der walachische Woiwode Vlad Ţepeş, ist es der Vampir-Graf aus dem Roman von Bram Stoker oder sind beide ein und derselbe Vampir?

Die geschichtliche Gestalt, die literarisch erfundene und die mythologische gehen bis zu einem gewissen Punkt ineinander über. All das geschieht mit Dracula in der abendländischen kollektiven Mentalität, welche mit Cartoons, Trickfilmen und Spielfilmen über Dracula gespeist ist. Alles begann 1897, als der irische Schriftsteller Bram Stoker den viktorianischen Schauerroman „Dracula“ veröffentlichte. Interessanterweise war der ursprüngliche Romantitel „Der Vampir-Graf“ und danach „Der Untote“ und nicht „Dracula“. Stoker wollte eine Spukgestalt mit mehr Virilität als die verdörrten und duseligen Gespenster der schottischen Schlösser. Er nahm eine Europakarte der damaligen Zeit zur Hand. Auf der Karte entdeckte er das nördliche Siebenbürgen und eine wilde Landschaft, abgeschieden und bewaldet, zwischen Bistritz, Vatra Dornei und dem Bârgău Pass gelegen, wobei letzterer im Roman zum „Borgo Pass“ wurde. Dorthin platzierte Bram Stoker das Schloss des „Vampir Grafen“, eines echten Aristokrat und erfundenen Vampirs. Keine Rede von der Grenzfestung Törzburg oder jener in Poenari! Weshalb änderte Stoker den Romantitel aber in „Dracula“ ? Stoker hatte eine Geschichte über die Fürstentümer Walachei und Moldau gelesen, die der englische Botschafter William Wilkinson verfasst hatte. Daraus entnahm er einen kurzen Absatz über Vlad Ţepeş.

In der Sprache der Walachen bedeutet ‚Dracula’ Teufel

Das, was Stoker wirklich interessant fand, war eine Fußnote: “In der Sprache der Walachen bedeutet ‚Dracula’ Teufel”. Die betreffende Fußnote schrieb Stoker gewissenhaft ab, unterstrich sie und setzte drei Rufzeichen dahinter. Denn: Glaubt man den Literaturkritikern und Forschern die sich mit Bram Stoker befasst haben, hatte er keinen Zugang zu anderen Quellen über Vlad Ţepeş. Auch dessen Leidenschaft für das Pfählen kannte er nicht. Warum und ab wann hatte dann die Verwechslung begonnen? Offenkundig war auch hier die Ursache ein Buch. Zwei Historiker, Radu Florescu und Raymond T. Mc Nally ein Amerikaner irischer Abstammung, veröffentlichten 1972 die Ergebnisse ihrer Forschungen “In Search of Dracula”. Ausgehend von einer Chronik, die Tepes Vampirzüge verleiht, riefen beide Historiker „Eureka!“ und bemühten sich zu beweisen, dass eigentlich Vlad Tees Bram Stoker als Vorlage und Modell für Dracula diente. Die Beweise, mit welchen sie die Behauptung, dass Stoker vieles über Ţepeş wusste, sind jedoch dürftig und spekulativ. Allem Anschein nach gelang es ihnen aber, wenn schon nicht zu überzeugen dann doch wenigstens anzuregen. Damals tauchten auf der touristischen „Dracula-Karte“ die Burg Poenari und das Törzburger Schloss auf. Damit es keine Missverständnisse gibt: Vlad Ţepeş war kein Heiliger. Er war grausam, despotisch und setzte den Pfahl als Tötungsmittel im Überfluss ein. Sein Verhalten war zu der damaligen Zeit keineswegs aussergewöhlich, doch von dort bis zu den Übertreibungen in den diversen Chroniken war es ein langer Weg, der von vielen wirtschaftliche und politischen Interessen gepflastert war.

So gesehen war Vlad Ţepeş das erste Opfer der Medien.

Fassen wir also zusammen: Bis 1972, dem Jahr der großen Verwechslung, haben sich alle Dracula Produkte wie Theater, Filme, Zeichentrick, an den Roman von Bram Stoker gehalten. Dracula war der „Vampir-Graf“ und nicht mehr. 1974 begannen schließlich die Drehbuchautoren aus Hollywood Geschichte und Fiktion zu vermischen. Die Verwirrung gipfelte in einem Film von Francis Ford Copolla, der sich ausgerechnet „Bram Stoker’s Dracula“ nennt. In Rumänien gibt es den Mythos, das Törzburger Schloss als perfekte Kulisse und den Bârgău Pass. Was den Rest betrifft, so laden wir Sie herzlich ein, ihn selbst zu entdecken.