Die Schwarze Kirche von Kronstadt

Tourismus

von Bernhard Moestl 248 mal angesehen

Was wirklich zu jener Katastrophe führte, welche die Kronstädter Marienkirche knapp 200 Jahre nach ihrer Fertigstellung fast vollständig vernichtete, wird wohl niemals genau geklärt werden. Sicher ist, dass 1689 österreichische Truppen in der Stadt lagerten, als ein Brand den Großteil der Stadt in Schutt und Asche legte.

Nachdem sie viele Gebäude zerstört hatten, erreichten die verheerenden Flammen schließlich auch die Kirche. Es verbrannten die mittelalterlichen Gestühle ebenso wie die Bänke, die Kanzel, der Altar, die Orgel, die Messbücher und die Epitaphien. Selbst der Bildschmuck der Grabsteine zerbröselte in der Hitze. Die Glocken schmolzen und stürzten aus dem Gebälk, als der Turm in Flammen aufging. Über 80 Jahre überragten die rauchgeschwärzten Ruinen der gotischen Kirche die Stadt, bevor das Gebäude in annähernd alter Gestalt wieder hergestellt wurde. Ursprünglich wurde das der Heiligen Jungfrau Maria geweihte Gotteshaus an jenem Ort errichtet, an dem zuvor eine romanische Basilika aus der Gründerzeit Kronstadts gestanden war. Als diese nur 30 Jahre nach ihrer Errichtung 1241 von den Mongolen zerstört wurde, dauerte es über 140 Jahre, bis man sich 1383 zum Bau einer gotischen Hallenkirche entschloss.

Reformationszentrum

Nach 100-jähriger Bauzeit als katholische Kirche geweiht bildete diese später das Zentrum der Reformation unter Johannes Honterus. Auch wenn heute nur noch der Name an das Schicksal des mehrfach restaurierten Gotteshauses erinnert, zählt es mit einer Länge von 90 Metern und einer Höhe von 42 Metern zu den bedeutendsten Sakralbauten Osteuropas.  Die mit nur 65 Metern für eine gotische Kirche eher geringe Turmhöhe ist übrigens nicht wie oft vermutet leeren Geldbeuteln, sondern vielmehr den häufigen Erdbeben in der Region geschuldet. Dass die Stadt Geld hatte beweist die größte europäische Sammlung orientalischer Teppiche, die sich bis heute innerhalb des beeindruckenden Gebäudes befindet.