Kronstadts reiche Witwe

Menschen

von Marianne Mohatschek 224 mal angesehen

Auf der Piata Sfatului steht an der Ecke zur Apollonia Hirscher-Straße das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Hirscher-Haus.

Niemand weiß, woher sie kam

Wer ist die Frau, die diesem Haus und der Straße ihren Namen gab? Niemand kennt ihr Geburtsdatum, niemand weiß, woher sie kam. Wohlerzogen und gottesfürchtig wie sie war ging man davon aus, dass sie aus einer angesehenen Bürgerfamilie stammen musste. Sie heiratete den Stadtrichter Graf Lukas Hirscher und gebar ihm eine Tochter namens Barbara.

Kleiner Mann, aber von großer Weisheit

Als ihr Mann, den sie selbst als „kleinen Mann, aber von großer Weisheit“ beschrieb, 1541 starb, trat sie sein Erbe an und übernahm erfolgreich die Geschäfte. Das war zu dieser Zeit sehr außergewöhnlich, denn Politik und Wirtschaft lagen zu dieser Zeit ausschließlich in den Händen der Männer. Die Aufgabe der Frau war es den Haushalt zu führen und die Kinder zu erziehen, aber Apollonia Hirscher entschied sich mutig, die Handelsfirma weiter zu führen. Der Großhandel mit Tüchern, Messern, Wachs und Immobilien zog sich weit von Österreich bis in die Walachei und ins Osmanische Reich. Bis 1545 ließ sie im Gedenken an ihren Mann auf dem Marktplatz im Stil der alten Lagerhäuser das „Haus der Waren“ erbauen. Ein großes Gebäude, welches als Kaufhaus und Lagerhalle für alle Zünfte diente, oft auch reisenden Kaufleuten eine Unterkunft bot und jahrhundertelang ein Symbol des reichen wirtschaftlichen Lebens darstellte. Noch heute ist es unter dem Namen Casa Hirscher bekannt.

Mutig führte Apollonia Hirscher die Handelsfirma weiter

Einen Großteil ihres Vermögens verwendete sie auch für wohltätige Zwecke und Stiftungen ebenso wie für die Unterstützung der Armen und zur Förderung des Bildungswesens.

Am 31. Dezember 1547 starb die Frau, der man bis heute überall in der Stadt begegnen kann. So zum Beispiel am Giebel des Hauses in der Michael Weiss-Straße 22, wo sie gemeinsam mit ihrer Tochter auf einem Wandbild an der Fassade zu sehen ist. Auch durch den seit 1998 vom Demokratischen Forum Kronstadt alljährlich vergebenen Apollonia Hirscher-Preis, mit dem eine Persönlichkeit aus Kronstadt für ihr gemeinnütziges Wirken geehrt wird, bleibt „die Hirscherin“ in der Erinnerung.