Von Kronstadt ins Weltall

Geschichte

von Cătălin Bădulescu 121 mal angesehen

Mit dem Himmel Kronstadts hatte alles begonnen. Geboren in Kronstadt, aufgewachsen in Kronstadt, ausgebildet in Kronstadt. Ein Interview mit Kosmonaut Dumitru Dorin Prunariu, einem Kronstädter, der trotz all seiner Erfolge nicht abgehoben ist.

Welchen Anteil hatte der Himmel über Kronstadt an Ihrer Flugleidenschaft? Einen sehr großen! Als Kind war ich von den Flugzeugen fasziniert, die über Kronstadt geflogen sind. Beim „Kreis für Modellflugzeuge“ habe ich dann begonnen die ersten Flugzeuge und Raketenmodelle zu bauen. Das war der Beginn meiner Flugleidenschaft, die ich schließlich zum Beruf machen durfte.

Wieso flog ausgerechnet Dumitru Prunariu in den Weltraum? Rumänien war 1968 dem Intercosmos Programm beigetreten. Aus drei Kandidaten für den Raumflug, wurde am Ende ich ausgewählt. 

Freundschaften auf der Erde kenne ich. Wie sind sie im Weltraum? Schwerelos? Überhaupt nicht. Im Kosmos habe ich drei Freundschaften fürs Leben geschlossen. 1975 gab es einen gemeinsamen russisch-amerikanischen Raumflug. Die Kommandanten der beiden Flüge, Alexei Leonov und Thomas Stafford wurden sehr gute Freunde, obwohl sie sich später in zwei entgegengesetzten militärischen Lagern wieder fanden. 

Ich weiß, dass Sie nicht mit leeren Händen in den Weltraum geflogen sind. Sie haben heimlich den zukünftigen Freunden zugeprostet...  Woher wissen Sie das? Jetzt kann ich es ja zugeben. Ich bin mit einer Flasche rumänischen Cognacs losgeflogen, der von der russischen Besatzung im Weltraum sehr geschätzt wurde! 

Welches Bild von Ihrem Raumflug können Sie nicht mehr vergessen? Ich sage es gleich: Außerirdische habe ich keine gesehen. (Lacht). Nie vergessen werde ich den Anblick der Erde. Du siehst live, was sich dort abspielt. Das Raumschiff umkreist die Erde einmal alle anderthalb Stunden. Bei jeder Umkreisung habe ich immer andere Regionen unsers Planeten gesehen. Das bei einer Geschwindigkeit von 28.000 km/h, in Schwerelosigkeit. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Erde wie ein Riesenbrocken unter uns gedreht hat.

Konnten Sie Kronstadt vom Weltraum aus sehen? Nein. Ich konnte nur die Donau, das Schwarze Meer und den Karpatenbogen ausmachen.  

Wie ist Ihr heutiges Verhältnis zu Kronstadt? Ich bin immer Kronstädter geblieben, auch wenn ich seit Jahrzehnten in Bukarest lebe. Hier habe ich meine Kindheit verbracht, mich zum ersten Mal verliebt, hier habe ich meine besten Freunde. In Steagul leben meine Mutter und meine Schwester. Das Unternehmen für Flugzeugbau in Weidenbach wird mir immer als mein erster Arbeitsplatz in Erinnerung bleiben.

 

Dumitru Dorin Prunariu

Als sich am 14. Mai 1981 die Soiuz 40 an die Orbitstation Saliut 6 ankoppelt ist der Kronstädter Dumitru Dorin Prunariu der 103. Mensch im Weltraum. Dass auch sein Minitehnicus Mitgliedsausweis, den er mit 17 Jahren erhalten hat, trägt die Nummer 103 hatte, erscheint als schwereloser Zufall. 

Während sieben Tagen, 20 Stunden, 42 Minuten und 52 Sekunden absolviert er eine Umlaufbahn von 5.260.000 Kilometern. Es folgte eine lebenslange Freundschaft mit den sowjetischen Raumfahrern Leonid Popov, Vladimir Kovalionok und Victor Savinîh.