Das "Tor des Schwertrechts"

Tourismus

von Bernhard Moestl 143 mal angesehen

Neben ihrer großen Schwester, der mächtigen Poarta Schei, wirkt die von den Sachsen „Katharinentor“ genannte Poarta Ecaterinei richtig zierlich. Dabei war die 1559 an Stelle eines älteren Tores errichtete Pforte ursprünglich nicht nur die einzige an dieser Stelle sondern auch eine durchaus bedeutende.

Jus Gladii

Denn im Gegensatz zum Schei-Tor, das wie ein Triumphbogen mit einem flachen Dach abschließt, wird die quadratisch angelegte Poarta Ecaterinei von vier kleinen Ecktürmen geschmückt. Ein Detail, das für manchen den Unterschied über Leben und Tod machen konnte. Im Mittelalter symbolisierten die vier Türmchen nämlich das berüchtigte „Jus Gladii“ oder „Gesetz des Schwertes“, das es mittelalterlichen Stadtherren erlaubte, Kriminelle gegebenenfalls auch mit dem Tode zu bestrafen.

Kanonen aus Prag

Erbaut an der Stelle eines Tores, das bei der großen Flut 1526 zerstört wurde, war das märchenhafte Stadttor ursprünglich Teil einer größeren Verteidigungseinheit, die aber 1827 zerstört wurde. Noch heute belegen Dokumente aus der Zeit der Errichtung, dass für jede der acht Schießscharten für den Turm extra Kanonen von Prag nach Kronstadt gebracht wurden. Auch der Name des Tores, das die beiden Stadtbrände fast unversehrt überstand, wechselte mehrfach. War es ursprünglich als „Obere Pforte“ bekannt, nannte man es später „Porta Corpus Christi“ bis es schließlich mit „Porta Sanctae Catherine“ den heutigen Namen bekam. Als 1820 und 1828 zwei neue, größere Stadttore errichtet wurden, verlor die Poarta Ecaterinei rasch an Bedeutung. Sie wurde zugemauert und bis ins Jahr 1955 als Warenhaus benutzt. Erst bei der Renovierung 1971 erhielt sie ihre alte Form zurück und fungiert seither als repräsentatives Museum der Geschichte der Stadt.