Ältester Siebenbürgen Reiseführer

Tourismus

von Tibi Ruczui 163 mal angesehen

“Versuche eines allgemeinen Handlungs- Gewerbs- und Reisekalenders von Hermannstadt”: Der erste gedruckte Reiseführer für Siebenbürgen, der 1790 in Hermannstadt erschien, nannte sich „Versuche eines allgemeinen Handlungs- Gewerbs- und Reisekalenders“. Es war ein kleines Büchlein mit 200 Seiten, gesetzt in gotischen Lettern und illustriert mit mittelalterlichen Ornamenten.

Hermannstadt, damals Hauptstadt des Fürstentums Siebenbürgen zog Reisende aus ganz Europa an, allen voran aus Deutschland und Österreich. Der Führer von 1790 enthielt eine Menge nützlicher Informationen. Eine Skizze der Stadt mit den wichtigsten Straßen und Gassen, Daten über die Bevölkerung, öffentliche Gebäude, Pensionen, Cafes, Restaurants, Casinos, Bäder, beliebte Messen und Märkte, Mühlen, Bibliotheken und Sammlungen, Apotheken, Bäckereien, Kneipen, Kirchen und Friedhöfe. Weiters finden sich die Adressen von Ärzten (darunter die des ersten rumänischen Augenarztes Ion Molnar-Piuaru) sowie Hebammen, Barbiere, Handwerker, Besen- und Bürstenmacher, Floristen, Gärtner, Kürschner, Metzger, Köche, Juweliere, Kunsthändler, Hutmacher, Perückenmacher, Wahrsager, Glockengießereien, Totengräber, Schornsteinfeger, Hufschmiede und Schmiede für das Schärfen von Schwertern.

Der Führer entstand aufgrund der großen Nachfrage

Der Führer entstand aufgrund der großen Nachfrage und diente unzähligen Beamten, Kaufleuten und Reisenden als wichtige Informationsquelle, die im späten 18. Jahrhundert in die Hauptstadt des damaligen Siebenbürgen reisten. Er war in der damals üblichen Form eines Kalenders gestaltet und erreichte große Verbreitung. Das Handbuch enthielt außerdem genealogische Informationen über das österreichischen Herrscherhaus sowie wichtige historische und astronomische Termine. Außerdem enthalten waren Daten und Orte wichtiger Messen, Routen und Stationen von Postkutschen, Siebenbürger Bodenschätzen und Informationen zum Geldverkehr. Nicht zuletzt konnte sich der Leser auch über das kulturelle und künstlerische Leben von Hermannstadt informieren (Theaterprogramm, Adressen von Ballsälen und Tanzschulen, Maler, Bildhauer und Musiker, Magazine und gedruckte Zeitschriften).