Kronstadt ist Wiege der europäischen Idee

Menschen

von Bernhard Moestl 135 mal angesehen

Best of Brasov hat mit Tourismus-Stadtrat Christian Macedonschi über Kronstadt, Bayern und Weihnachtsmärkte gesprochen.

Du hast viele Jahre in Deutschland gelebt, bist aber dann nach Rumänien zurückgekehrt. Was hat Kronstadt, das Nürnberg nicht hat? Die Berge und diese wunderbare Verbindung verschiedenster Kulturen. Ich liebe es direkt aus der Altstadt ins Grüne zu gehen. Das ist Lebensqualität, die du sonst selten findest. Gleichzeitig fasziniert mich die seit vielen Jahrhunderten in dieser Stadt tatsächlich gelebte Multikulturalität. Für mich ist Kronstadt so etwas wie die Wiege der modernen europäischen Idee. 

Du bist dafür bekannt dafür, viel unterwegs zu sein. Was bringen deine  Auslands-Reisen dem Durchschnitts-Kronstädter? Wo immer ich hinkomme bin ich Botschafter meine Stadt. Kronstadt ist auf einem guten Weg und die Entwicklung der Stadt zu einem Anziehungspunkt für internationale Investoren hat viel dazu beigetragen, das Bild Rumäniens in Europa zum Guten hin zu verändern. Aber wir brauchen noch mehr große Investoren, die lokale Anbieter nicht als Konkurrenz sehen sondern als gleichwertige Partner und mit ihnen auf Augenhöhe zusammenarbeiten wollen. Du bringst aber kein Unternehmen nach Kronstadt, wenn du von hier aus E-Mails schickst. Ein Geschäftsführer, der Millionen investiert, erwartet schon, dass du zu ihm kommst.

Was könnten Städte wie Nürnberg, München oder meine Heimatstadt Wien deiner Meinung nach von Kronstadt lernen? Miteinander gut zu leben. In Kronstdt leben seit über 800 Jahren Rumänen, Sachsen, Ungarn, Araber und Griechen zum Vorteil aller zusammen und profitieren von den Fähigkeiten der Anderen. Auch in Bezug auf die Minderheitenpolitik kann Kronstadt als Vorbild dienen. Jede Volksgruppe ist hier ganz selbstverständlich mit einer eigenen Partei und entsprechendem Mitspracherecht vertreten. Auch in den Familien gibt es bis heute starken Zusammenhalt. Wo sonst leben heute noch drei Generationen gemeinsam in einem Haus? 

Und was kann Kronstadt von ihnen lernen? Zuerst einmal, dass Mobilität für die Entwicklung einer Stadt lebenswichtig ist.  Wir haben großen Aufholbedarf bei der Transportinfrastruktur, aber auch bei der Bürgernähe. Behörden müssen lernen, sich als Dienstleister zu verstehen. Dann werden sich auch die Kronstädter mehr für ihre eigene Stadt einsetzen.

Dein Oktoberfest zählt nach nur sechs Jahren zu den größten und wichtigsten Veranstaltungen Siebenbürgens. Was dürfen wir als nächstes von dir erwarten? Einen Weihnachtsmarkt, den wir gemeinsam mit unserer Partnerstadt Nürnberg veranstalten. Wenn die Nürnberger schon den ältesten Weihnachtsmarkt haben, dann soll unserer zumindest der schönste sein.